Neurobiologie & Drogen
 
Englische Version Französische Version
 

Bereits 1980 hatte A.Herz sog. Endorphine, d.h. körpereigene Morphine entdeckt, die an speziellen Opiat-Rezeptoren des Gehirns andocken.

Nachdem 1988 auch der Nachweis spezieller Cannabinoid-Rezeptoren gelang, deren Struktur 1990 (CB1) bzw 1992 (CB2) aufgeklärt wurde, entdeckte man 1992 mit Anandamid ein erstes endogenes Cannabinoid, dem 1995 das 2-Arachidonoylglycerol (2-AG) folgte.

2002 geben Mayer et.al. eine Übersicht zu den biologischen - speziell den molekularen - Grundlagen der Opiatabhängigkeit. Auf der Grundlage einer Literaturanalyse und eigener Untersuchungen, insbesondere auf Grund von Tierexperimenten ermittelten sie die neuronalen Grundlagen des Suchtgeschehens wie folgt: "Die euphorisierende Wirkung des Morphins beruht auf einer Aktivierung des so genannten basalen Vorderhirnbündels, das als cerebrale Repräsentation des Belohnungssystems angesehen wird. Für die Entstehung der Abhängigkeit dürfte vor allem ihre Eigenschaft, lang anhaltende Sensibilisierung in limbischen und mesolimbischen Hirnarealen auszulösen, verantwortlich sein. Letztere sind eng mit der Hippokampusformation verschaltet, deren Bedeutung für Lern- und Gedächtnisvorgänge etabliert ist." So wurde am Beispiel von Cocain berichtet, dass der Hippokampus für das sogenannte Suchtgedächtnis und die damit verbundene starke Rückfallneigung von abstinenten Abhängigen verantwortlich erscheint. Dieses Phänomen tritt ebenso bei Morphin auf. Dabei zeigt sich, dass eine starke genetische Disposition für die Suchtanfälligkeit besteht, die z.T. auf Polymorphismen in den Genen der Opioidrezeptoren beruht. Die Autoren ziehen daraus die Schlussfolgerungen, dass die Entwicklung einer Opiatabhängigkeit von einer entsprechenden Disposition ausgeht und einen kontinuierlichen Prozess darstellt, bei dem sich das Antwortverhalten des Gehirns auf das Suchtmittel verändert und dadurch verselbstständigt. Als Auslöser für den Opiatkonsum werden oft Stressituationen gefunden, wobei Morphin die Reaktionen des Gehirns auf Stressreize zu antagonisieren vermag und dadurch die oben geschilderte Eigendynamik auslöst. Als therapeutische Empfehlung erscheint den Autoren "ein möglichst frühes Eingreifen in den kaskadenartigen Prozess der Suchtentstehung" sinnvoll.

Lit: P.Mayer, M.Erdtmann-Vourliotis, V.Höllt: Molekulare Grundlagen der Opiatabhängigkeit. Sucht 48 (1):17-28, 2002

Benutzerdefinierte Suche

Letztes Update dieser Seite: 02.05.2013 - IMPRESSUM - FAQ